Das Menü kommt zur Maus: Peacock Menus wird ein LibreOffice-Plugin
Einfügen, Diagramm, Säule, Gestapelt. Vier Klicks, und dazwischen wandert die Maus durch drei aufklappende Listen, jede ein Stück weiter rechts als die vorige. Wer täglich in Tabellen und Dokumenten arbeitet, geht diesen Weg viele Male am Tag, ohne ihn zu bemerken. Dr. Kay Dirk Ullmann hat ihn bemerkt. Sein Verfahren, das den Weg abkürzt, ist seit 2014 in Europa und den USA patentiert und trägt heute den Namen Peacock Menus. Wir haben daraus zuerst einen Prototyp gebaut, den jeder im Browser ausprobieren kann. Jetzt folgt die nächste Stufe: ein Plugin für LibreOffice.

Was ist Peacock Menus?
Klassische Menüs folgen seit Jahrzehnten demselben Bauplan. Eine Liste klappt nach unten auf, die nächste nach rechts, die übernächste noch weiter nach rechts. Der Mauszeiger läuft jeder Ebene hinterher.
Peacock Menus kehrt die Richtung um: Das Menü kommt zum Zeiger. Ein Klick auf „Einfügen", und die Einträge fächern sich um den Klickpunkt auf wie die Federn eines Pfauenrads. Jeder Eintrag hängt an einem Führungsarm, der zurück zum Klickpunkt zeigt. Auswählen lässt sich die Beschriftung oder gleich der Arm, das vergrößert die Trefferfläche.

Was passiert, wenn ein Menü drei Ebenen tief ist?
Dann zeigt das Verfahren, wofür es gebaut wurde. Nach dem Klick auf „Diagramm" entsteht der nächste Fächer dort, wo der Zeiger gerade steht. Nach „Säule" wieder. Jede Auswahl wird zum Mittelpunkt der folgenden Ebene, und der bisherige Pfad bleibt als Spur sichtbar. Der Zielbefehl „Gestapelt" liegt am Ende in direkter Nähe des letzten Klicks.
Auch für volle Menüs gibt es eine Regel. Die Software berechnet die Anordnung aus der Zahl der Einträge und dem freien Platz auf dem Bildschirm. Passt nicht alles in den Fächer, sammelt ein Platzhalter die übrigen Einträge und öffnet sie auf Klick an derselben Stelle.

Funktioniert das auch im Kontextmenü?
Ja, und dort sieht man dem Verfahren seinen Namen am deutlichsten an. Ein Rechtsklick in die Tabelle genügt: Ausschneiden, Kopieren, Einfügen und die übrigen Befehle legen sich im Kreis um den Zeiger. Kein Eintrag steht am Ende einer langen Liste, jeder ist mit einer kurzen Bewegung erreichbar. Verschachtelte Befehle wie „Zellen formatieren" öffnen ihre nächste Ebene nach demselben Prinzip.

Warum kostet ein klassisches Dropdown-Menü so viel Mausweg?
Weil jede Ebene woanders beginnt, als die vorherige endet. Der Klickdummy auf peacockmenus.com macht das sichtbar: Er zeichnet den Mausweg für den Pfad von „Einfügen" über „Diagramm" und „Säule" bis „Gestapelt" als nummerierte Linie nach. Im klassischen Menü zieht sie sich quer durch drei Listen.
Einzeln betrachtet ist das eine Kleinigkeit. Teuer wird sie durch Wiederholung: In einer Tabellenkalkulation oder einem Textprogramm fällt dieser Weg den ganzen Tag über an.

Was misst der Prototyp?
Derselbe Pfad, dieselbe Messung, diesmal mit Peacock Menus: Aus 460 Pixeln Mausweg werden 54. Das sind 88 Prozent weniger, gemessen ab dem geöffneten Menü. Der Weg bis zum Reiter „Einfügen" ist in beiden Varianten gleich und zählt deshalb nicht mit. Dazu weist die Seite eine um 30 Prozent kürzere Navigationsdauer aus, das entspricht 0,7 Sekunden je Vorgang.
Die Demo rechnet das auf den Arbeitsalltag hoch. Bei 400 solchen Vorgängen am Tag ergeben 0,7 Sekunden rund 4,7 Minuten täglich und etwa 18 Stunden im Jahr, pro Person. Die Zahl der Vorgänge können Sie dort selbst einstellen.
Zur Einordnung: Das sind Werte aus einem Prototyp mit einem festgelegten Beispielpfad, keine Feldstudie über viele Anwendungen und Nutzer. Sie zeigen aber die Richtung, und sie sind groß genug, um den nächsten Schritt zu rechtfertigen: den Einbau in echte Software.

Was genau schützt das Patent?
Geschützt ist der Mechanismus, kein bestimmtes Aussehen: der Führungsarm zwischen Eintrag und Ursprung, der mit jeder Auswahl wandernde Bezugspunkt und die Anordnung, die sich nach dem verfügbaren Platz richtet. Farben, Formen und Maße bleiben der jeweiligen Umsetzung überlassen. Das macht das Verfahren unabhängig von einer einzelnen Anwendung.
- Europäisches Patent EP 2 616 913 B1, erteilt am 2. Juli 2014
- US-Patent US 8,756,529 B2, erteilt am 17. Juni 2014
- Inhaber und Erfinder: Dr. Kay Dirk Ullmann, Frankfurt am Main
- 15 Patentansprüche, internationale Anmeldung PCT/EP2011/060724
- Produktmarke Peacock Menus, mit SolveTrail als Entwicklungspartner
Warum ein Plugin für LibreOffice?
Ein Patent überzeugt niemanden, der es nicht benutzen kann. Der Klickdummy zeigt das Prinzip an einer nachgebauten Tabellenkalkulation, bleibt aber ein Schaufenster: Man kann hineinsehen, arbeiten kann man darin nicht. Der nächste Schritt muss deshalb Software sein, die Menschen täglich öffnen.
LibreOffice bietet sich dafür an. Die Office-Suite ist quelloffen, ihre Erweiterungsschnittstellen sind öffentlich dokumentiert, und ihre Menüs sind so tief verschachtelt, dass das Verfahren seine Stärke zeigen kann. Verwaltungen, Schulen und Unternehmen setzen sie ein, oft ganz bewusst als offene Alternative.
Die Entwicklung hat begonnen. Wir bauen das Plugin bei SolveTrail in Nürnberg. Einen Termin für die erste öffentliche Version nennen wir noch nicht, dafür ist es zu früh. Sobald es etwas zu zeigen gibt, lesen Sie es hier.
Was hat das mit Ergonomie zu tun?
Weniger Zeigerweg bedeutet weniger Bewegung für Hand und Handgelenk. In der Arbeitsmedizin gelten häufig wiederholte Bewegungen als einer der Faktoren, die die Belastung bei Bildschirmarbeit beeinflussen können. Die bekanntesten Stichworte dazu sind RSI und das Karpaltunnelsyndrom.
Wir halten diesen Punkt bewusst knapp. Peacock Menus ist eine Software-Menünavigation und kein Medizinprodukt, eine gesundheitliche Wirkung lässt sich aus einem kürzeren Mausweg nicht ableiten. Belegt ist die Verkürzung selbst. Bei anhaltenden Beschwerden hilft ärztlicher Rat, kein Menükonzept.
Und wenn Ihre Idee noch in der Patentschrift steckt?
Peacock Menus steht für ein Muster, das uns oft begegnet. Eine Idee ist präzise beschrieben und rechtlich gesichert, aber niemand kann sie anfassen. Solange das so bleibt, überzeugt sie weder Nutzer noch Lizenznehmer noch Investoren. Ein lauffähiger Prototyp ändert das: Wer das Menü einmal bedient hat, braucht keine Patentschrift mehr.
Wenn Sie ein Patent, ein Konzept oder einen Entwurf haben, der diesen Schritt noch vor sich hat: Bei SolveTrail in Nürnberg bauen wir Prototypen und MVPs, die man ausprobieren kann. Das Erstgespräch ist kostenlos.
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